Vereinschronik


Chronist: Pressewart Thomas Houdek

Die Vereinschronik des Bez. Fischereivereins Straubing e.V. wird seit 1950 jährlich  als gebundene Ausgabe erstellt und kann von allen Interessenten nach Vereinbarung im Archiv des Vereinsheims eingesehen werden.


Der Bezirksfischerei-Verein Straubing hat eine 125-jährige Geschichte

Die Straubinger Angler können auf eine 125-jährige Tradition zurückblicken. Der heute ca. 1600 Mitglieder zählende Verein mit seiner äußerst aktiven Vorstandschaft unter dem 1 .Vorsitzenden Peter Mittermeier zählt zu den fortschrittlichsten und modernsten Vereinen Niederbayerns. Er hat sich in einer recht wechselhaften Geschichte aus dem am 29. März 1877 in Straubing gegründeten Fischzuchtverein entwickelt.

Beim Studium der Chronik des Bezirksfischereivereins Straubing lässt sich sein Werdegang bis auf jenen Gründungstag lückenlos verfolgen. Die Vorstandschaft des damaligen Fischzuchtvereins bestand nur aus dem Vorstand, Bezirksamtmann Schilling, dem Conzipienten Zierer als Schriftführer und dem Apotheker Hartmann als Kassier. Die Satzung dieses ersten Vereins lehnte sich an die des am 12. März 1877 in Landshut gegründeten niederbayerischen Kreisfischerei-Vereins an. Zweck des Fischzuchtvereins Straubing von 1877 war es, die natürliche und künstliche Fischzucht, sowie die Ausbildung und Regelung des Fischfanges wahrzunehmen. Diese vier einfachen Kernziele sind auch heute noch, neben anderen, die Grundprinzipien des Bezirksfischerei-Vereins Straubing. Dass dabei der Bezirksfischerei-Verein Straubing heute, genauso wie sein Vorläufer vor 125 Jahren, für seine Mitglieder, die Bürger der Stadt Straubing und des Umlandes eng mit der Stadtverwaltung zum Wohle aller zusammenarbeitet, beweisen einschlägige Dokumente der Chronik. So stellte zum Beispiel der junge Fischzuchtverein am 13. März 1878 an den Magistrat der Stadt Straubing einen Antrag auf Gewährung eines Zuschusses zum Betrieb einer künstlichen Brutstätte im Hofraum der magistratischen Frohnfeste, dem von seiten der Stadt bereits am 2. April 1878 mit hundert Mark stattgegeben wurde. Interessant ist hier, dass die Grundprobleme der Fischer seit damals und des heutigen Bez.-FVs., wenn auch in abgewandelter Form, dieselben geblieben sind. Gerade auch zur Zeit des Kanalbaues durch die Rhein-Main-Donau-AG, die so tiefgreifende Änderungen in unserer Flusslandschaft brachte, findet man in der Chronik eine erstaunliche Parallele zum damaligen Fischzuchtverein. Genau vor 122 Jahren mussten sich die Straubinger Fischer, wie ein Schreiben vom 3. März 1881 beweist, mit Flusskorrekturbauten und der Vernichtung von Schutz- und Laichgewässern in unserem Raum auseinandersetzen. Dabei gab der Kreis-Fischerei-Verein Hilfestellung.

Wie sich doch hier die Probleme gleichen!

Vor etwa zwei Jahrzehnten stand der Bezirksfischerei-Verein vor derselben Situation im Kampf um den Erhalt unserer letzten Altwässer als Laichplätze für unsere Krautlaicher, die dem Kanalbau zum Opfer fallen sollten. Dabei brachten schon damals die Fischer wertvolle Impulse, wie Öffnungen und Schaffung von Flachwasserzonen mit in die Baumaßnahmen ein. Diese Forderungen auf Schaffung von Altarmen und Flachwasserzonen, wie sie zur Zeit des Kanalbaus an die Rhein-Main-Donau-AG zur Kanalgestaltung gestellt wurden, sind also uralte Kernforderungen der Straubinger Fischer und keineswegs erst aus den Erkenntnissen des modernen Naturschutzes gewachsen, wie dies oft nur zu gerne hingestellt wurde. Ein Blick in die Vereinschronik beweist hier, dass auch schon vor fast 125 Jahren Straubings Angler ökologische Zusammenhänge erahnten und bei tiefgreifenden baulichen Veränderungen gestaltend mitzuwirken versuchten!

Bei der Ausführung des Kanalbaues von seiten des Neubauamtes wurde versucht die fischereilichen Gedanken von beiden Seiten zu beleuchten und dann einer praxisgerechten und der Natur dienenden Lösung zuzuführen. Wie bemüht um Öffentlich keitsarbeit und Anerkennung der damalige Fischzuchtverein war, beweist die am  4. November 1881 erstmals stattgefundene Fischereiausstellung - die heute vielbeachtete Fischereiausstellung am Gäubodenvolksfest hat also auch schon bald eine 125- jährige Tradition! Vergleicht man die Mitgliederzahl des Fischzuchtvereins um die Jahrhundertwende mit der von heute, so stieg sie von 120 Mitglieder auf ca. 1600. Dies ist ein klarer Beweis für den enormen Freizeit- und Erholungswert dieser Sportart. Hier lässt sich wie in einem Spiegel die zunehmende Freizeit und das Bedürfnis auf Ausgleich und Erholung zur steigenden Hektik und dem bis heute ständig wachsenden Stress betrachten.

Dabei scheint das Problem der Schwarzfischerei heute etwas in den Hintergrund zu treten, da sich die Angelwilligen heutzutage in zunehmendem Maße um einen Fischereierlaubnisschein und dann um eine Aufnahme in einen Verein bemühen, während gerade zur Gründerzeit die Schwarzfischerei zu "blühen" schien, wie Berichte, Anzeigen, Beschwerden und Verurteilungen aus der Chronik belegen.

Am 26. März 1897 wurde dann neben dem bereits bestehenden Fischzuchtverein der Angelfischer- und Fischzuchtverein Straubing" gegründet. Die Mitgliederzahl dieses Vereins nahm aber bis zum Jahre 1905 so sehr ab, dass er am 28. September 1905 wieder aufgelöst werden musste. Zwei Jahre später wurde dann, am 16. Juni 1907, der "Angelschutzverein der Bürger der Stadt Straubing" gegründet. Sein Hauptzweck war die Wahrung der den Bürgern der Stadt Straubing zustehenden Angelprivilegien. Dabei wehrte sich dieser Verein vor allem gegen die hiesigen Berufsfischer, die alljährlich mehrmals mit Netzen die Alte Donau und die Altwässer befischten. Hinter diesem Angelschutzverein standen damals schon etwa 200 Mitglieder, die auch versuchten, in Geschlossenheit gegen die neuen, für die Angler ungünstigen Fischereigesetze anzukämpfen. Lange Schriftsätze mit der Stadt und dem Innenministerium geben davon Zeugnis. Gleichzeitig trat dieser Angelschutzverein auch dem Landesfischereiverband bei. Ein Eintrag ins Registergericht beim Amtsgericht Straubing wurde ebenfalls vorgenommen. Vom 26. März 1897 an bestanden also zwei Vereine nebeneinander in Straubing, wobei die führende Rolle zeitweise beim Angelschutzverein der Bürger der Stadt Straubing lag, da ihm vom Stadtmagistrat die Wahrnehmung des Fischereirechts für die Bürger übertragen wurde, das heißt, er wirkte bei der Vergabe der zu erwirkenden Erlaubnisscheine mit. Dabei durften die Straubinger Angler nur mit der Laub- oder Zapfangel (Schwimmer!) fischen. Der Gebrauch der Grundangel war verboten. Auch zeitlich war ihr Recht beschränkt: Ein Straubinger Bürger durfte nur fischen, "wenn er sein Handwerk nicht versäumt, also nur in seinen Musestunden". Gewerbs- und gewohnheitsmäßiges Angelfischen war untersagt!

Am 10. August 1910 verpachtete die Stadt Straubing die Alte Donau mit Nebengewässern an den Fischzuchtverein.

Mit Urkunde vom 8. März 1911 kaufte die Stadt Straubing von den damaligen Berufsfischern deren Fischereirechte in der neuen Donau und den dazugehörigen Altwässem. Von nun an lag das Ausgaberecht für Erlaubnisscheine bei der Stadt.

Wenn auch der Betrag von zwei Mark im Jahr heute geradezu lächerlich anmutet, so waren die Bedingungen dafür äußerst streng. So ist in den Richtlinien für die Verteilung von Fischereierlaubnisscheinen, festgesetzt am 10. 11. 1921, zu lesen, dass nur eine unbescholtene Mannsperson, welche das dreißigste Lebensjahr zurückgelegt hat, einen Erlaubnisschein erhalten konnte. Dabei wurden insgesamt nur 120 Karten ausgegeben.

Am 11. Juli 1944 wurde dann die Zusammenlegung des Fischzuchtvereins mit dem Angelschutzverein Straubing von der Landesbauernschaft angeordnet.

Um dieser Zwangsverordnung zuvorzukommen, wurde am 25. März 1944 in der ersten Hauptversammlung des Bezirksfischerei-Vereins die Liquidierung des Angelschutzvereins beschlossen und die bisherige Bezeichnung Fischzuchtverein e.V. in Bezirksfischerei-Verein Straubing e. V." geändert. Die beiden alten Vereine wurden aus dem Vereinsregister gelöscht und das Vereinsvermögen des ehemaligen Fischzuchtvereins in Höhe von 5.282 Reichsmark dem neuen Bezirksfischerei-Verein zugeschlagen. Der Angelschutzverein lieferte sein Vermögen nicht ab. 

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches wurde der Bezirksfischerei-Verein auf Befehl der Militärregierung am 14. 12. 1946 wieder aufgelöst, zugreich aber in einer Gründungsversammlung am 14. Dezember 1946 als der heutige Bezirksfischerei-Verein Straubing 1946 e.V. ins Leben gerufen. Der Verein bestand damals aus nur 44 Mitgliedern. Das alte Vereinsvermögen wurde dem neuen Verein zugeschlagen. Nach der Umwandlung in D-Mark durch die Währungsreform betrug am 14. Oktober 1949 das Vereinskapital 239,06 DM. Am 20. April 1949 wurde ein neuer Vertrag zwischen dem Bezirksfischerei-Verein und der Stadt Straubing geschlossen, in dem nach Paragraph 6 das Recht des Pächters (Bezirksfischerei-Verein) auf Ausstellung von Erlaubnisscheinen ausdrücklich ausgeschlossen war, das heißt, nur die Stadt Straubing stellte Erlaubnisscheine aus. Am 28. November wurde in einem erweiterten Vertrag dem Fischerei-Verein das Ausstellungsrecht von 120 Erlaubnisscheinen für die neue Donau und 15 Scheinen für die Alte Donau übertragen. Als Entgelt für die Überlassung des Ausgaberechts für Fischereierlauhnisscheine zahlte der Fischereiverein jährlich den Betrag von 1.650 DM an die Stadt.

Am 1. 5. 1953 führte der Bezirksfischerei-Verein Straubing für neue Mitglieder die Fischerprüfung ein. Kursleiter und Prüfer war Hermann Lenz, der dann bis 1977 zusammen mit anderen Sportkameraden die Vorbereitungskurse für die Staatliche Fischerprüfung ausrichtete. Ebenfalls 1953 wurde die Jugendgruppe gegründet, mit deren Leitung damals auch Hermann Lenz beauftragt wurde.

Seit 1951 wurden dann vom Fischerei-Verein auch alljährlich Preisfischen ausgerichtet, deren Anziehungskraft von Jahr zu Jahr weit über die Grenzen Bayerns hinaus zunahm. 1953 gelang es dem Bezirksfischerei-Verein auch, das Fischrecht des Fischermeisters Anton Deixlberger in der Alten Donau und des Fischzuchtweihers zu erwerben. Weiter erkämpfte der jetzt stark wachsende Verein in einem erfolgreichen Prozess wegen Verunreinigung der Donau ab 1952 eine jährliche Entschädigung von 1.500,-- DM von den Zellstoffwerken Kelheim. Die zunehmende Finanzkraft des Vereins gestattete es nun auch, für die immer mehr werdenden Mitglieder neue Fischgewässer hinzuzukaufen. So wurde im September 1956 der Augraben in Obermotzing als Eigentumswasser gekauft. 1958 wurde die Fischzuchtanstalt, in der Forellen- und Hechteier erbrütet und aufgezogen werden konnten, völlig neu überholt und war dann in jener Zeit eine der modernsten in ganz Niederbayern. Ein Problem aber spitzte sich seit den fünfziger Jahren immer mehr zu. Obwohl jährlich mehr und mehr Mitglieder ihre Aufnahme in den Verein beantragten, war die Zahl der Karten eng begrenzt. Noch 1958 standen nur 120 Raub- und 150 Friedfischkarten zur Verfügung, so dass manche Mitglieder erst Jahre warten mussten, bis sie endlich die begehrte Raubfischkarte erhielten.

Später erhöhte sich die Zahl der Fischkarten auf 250 Friedfischkarten und 150 Raubfischkarten. 1971 wurde unter dem Vorstand Georg Schartner der Wolf-Weiher an der Wallmühle gepachtet. Im Jahre 1972 konnte der Verein, insbesondere durch die Spendenfreudigkeit seiner Mitglieder, den Irlinger See kaufen, so dass nunmehr, außer dem Augraben, auch andere Karpfengewässer zur Verfügung standen. Doch der leidige Zustand mit der eng begrenzten Zahl der Raub- und Friedfischkarten blieb immer noch bestehen.

Dies sollte sich erst ändern, als am 21. März 1976 Hans Lehner 1. Vorsitzender wurde. Zugleich formierte sich damals auch eine neue Vorstandschaft. Bereits am 1. 1. 1977 war es Hans Lehner gelungen, mit der Stadt einen neuen Pachtvertrag abzuschließen, aufgrund dessen insgesamt 1280 Jahresfischereierlaubnisscheine ausgegeben werden durften. Davon entfielen höchstens 80 Jahreserlaubnisscheine auf die Alte Donau und 1200 auf die neue Donau. Bemerkenswert ist daran, dass zwischen Raub- Friedfischkarten nicht mehr unterschieden werden musste. Mit seiner Vorstandschaft bewerkstelligte Hans Lehner auch die versprochene Entlandung des Motzinger Augrabens, der ja Eigentumswasser des Vereins war. Dieser Augraben wurde dann im Januar 1977 unter einem Kostenaufwand von 55.000,-- DM, insbesondere unter Mithilfe der beiden Gewässerwarte Schmidbauer und Zacherl, entlandet. Dazu erhielt der Verein vom Bayerischen Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten Förderungsmittel in Hohe von 17.800,-- DM. Trotz schärfster Angriffe der hiesigen Naturschützer wurde der Augraben zu einem vorbildlichen Naturgewässer gestaltet und zwar so, dass selbst der Vorsitzende des Bundes Naturschutz, Hubert Weinzierl, später seine volle Zustimmung aussprach. Seit 1. 10. 1976 wurde auch der neue Wolf-Kößnach-Weiher auf  25 Jahre dazugepachtet, so dass den Straubinger Sportfischern die neue Donau, die Alte Donau, drei Baggerweiher (Wolf-Weiher Wallmühle, Wolf-Kößnach-Weiher, lrlinger See), ein Naturgewässer Obermotzinger Augraben), drei Salmonidengewässer (Schloßauer Ohe, Obere Teisnach, Mühlbach) sowie die Kinsach zur Verfügung standen. Ein weiteres, früher gepachtetes Salmonidengewässer, der Steinbach war nicht befischbar, weil aufgrund des dort eingerichteten Schwellbetriebes der Bach mehrmals am Tag ohne Wasser war.
Unter der damaligen Vorstandschaft wurden auch andere Bewirtschaftungsgrundsätze durchgeführt. So wurden alleine im Jahre 1977 Fische im Werte von Insgesamt 51.008 81 DM eingesetzt, davon Fische im Werte von 16.318,62 DM in die Donau. Was Karpfen und Schleien anbelangt, wurden grundsätzlich nur fangfähige Fische eingesetzt. Hechte, Zander und Schwarzbarsche wurden als einsömmrige Fische eingesetzt, weil größere nicht erhältlich oder zu teuer waren. Der frühere Einsatz von Fischbrut hat sich nicht bewährt, weil diese bereits von großen Friedfischen aufgefressen wurden. Insbesondere vertrat die gesamte Vorstandschaft den Standpunkt, dass die Vereinsmitglieder für ihr Geld eine mit Fischerfreuden verbundene Naherholung an unseren Gewässern finden sollten. Eine weitere Ausweitung der Angelmöglichkeiten bot im März 1978 eine Fahrt von 51 Vereinsmitgliedern zum Hochseefischen. Hier konnten die Teilnehmer zum Preis von nur 150 DM pro Person (einschließlich 3 Hotelübernachtungen mit ausgezeichnetem Frühstück, 2 Tage Hochseefischen, 1 Mittagessen sowie einer Lübeck-Stadtrundfahrt) in Heiligenhafen an der Ostsee das Meeresfischen  üben, wobei sogar von den Straubinger Fischern erste Preise erreicht wurden. Über gut zwei Jahrzehnte führte der Verein auch große Gewässer- und Umweltschutzaktionen durch, was in einem kleineren Ausmaß schon von jeher zutraf. 1976 erhielt er die Bayerische Umweltmedaille.

Bis in den Oktober 1980 wurde der Bezirksfischereiverein vom 1. Vorsitzenden Hans Lehner geführt. Im Oktober 1980 verstarb Hans Lehner überraschend. Der 2. Vorstand Josef Lummer führte den Verein bis zur Hauptversammlung im Frühjahr 1981.
In der Hauptversammlung 1981 wurde Peter Mittermeier zum 1. Vorsitzenden des Bezirksfischereiverein Straubing gewählt. Er war ein sehr junger Vorsitzender
- zum Zeitpunkt der Wahl war er erst 27 Jahre alt.

Mittermeier konnte einen geordneten Verein übernehmen, insbesondere arbeitete er eng mit dem damaligen Kassier Hans Stelzl, welcher 1994 unverschuldet bei einem Autounfall verstarb, zusammen. Durch überlegte Geschäftsführung und eine zielorientierte Anlage der Gelder konnte der Verein sein Vermögen beträchtlich vermehren. Dies zeigte sich letztlich auch darin, dass verschiedene Gewässer in den letzten 25 Jahren gekauft werden konnten. Dabei handelte es sich zunächst um ca. 8 Kilometer >Menach< im Bereich Haibach und 9,5 Kilometer >Kinsach< - von Stallwang kommend über Ascha bis Wolferszell. Weiterhin konnten die "Gaissa" - ein Forellenfluss in der Region Aicha vorm Wald - und der "Reibersdorfer See", ein ehemaliger alter Donauarm bei Parkstetten erworben werden. Der Verein konnte seinen Grundbesitz somit beträchtlich vermehren. Die gute Arbeit des Kassiers Hans Stelzl wurde nach seine Tod durch den neuen Kassier Reinhold Maier fortgeführt.

Ein weiteres herausragendes Ereignis in den letzten 25 Jahren war mit Sicherheit der Ausbau der Donau im Raume Straubing. Dieser Eingriff in die Natur schuf ein vollkommen anderes Fluss- und Landschaftsbild: Die jetzige "Öberauer Schleife" wurde vom alten Flusslauf abgeschnitten, wodurch ein beachtenswertes Altwasser geschaffen wurde. Außerdem entstand ein großer Staubereich und vom Stau abwärts bis zur Fischwassergrenze kurz vor der Donaubrücke der Bundesstraße 20 verfügt unser Verein immer noch über eine interessante Strecke freifließender Donau, das >Stadtwasser<. Die Straubinger Fischer mussten sich somit auf drei verschiedene Gegebenheiten beim Angeln einstellen und auch die Erlaubniskarten zum Fischen wurden neu aufgeteilt: Es wurde nun unterschieden zwischen der Fischerei in der "Staustufe", in der "Öberauer Schleife" und in der freifließenden Donau, dem sogenannten "Stadtwasser". Hier kam es am Anfang zu Schwierigkeiten, da nicht genügend Karten zur Verfügung standen. Erst im Laufe der Jahre wurde erreicht, dass alle Straubinger Angler mit dem gewünschten Fischereierlaubnisschein bedient werden konnten.

Im Zuge des Donauausbaus musste der Fischereiverein sein Eigengewässer den "Augraben" bei Obermotzing verkaufen. Dies konnte aber leicht geschehen, da ein adäquater Ersatz, nämlich der "Reibersdorfer See", an dem sich auch eine Fischerhütte mit Bootshaus befindet, zum Ankauf angeboten wurde.

Eine positive Entwicklung nahm dann Anfang der achtziger Jahre das Fischerfest, welches immer schon ein großes Ereignis in Straubing war, als dieses in einem Bierzelt beim "Bauer Heinerl" Am Hagen - 14 Tage vor dem Straubinger Gäubodenvolksfest - stattfand. An den damaligen Königsfischen hatte der Verein bis zu 1000 Teilnehmer. Nachdem das Fischerfest beim "Bauer Heinerl" nicht mehr durchgeführt werden konnte, ging man in das Überreiterzelt, welches nach einem weiteren Jahr von der Festwirtin Regina Groll übernommen wurde. Auch auf Grund der vielen Feste im Umkreis ging die Besucherzahl beim Fischerfest deutlich zurück. Es musste verkleinert werden, da sich die Ausgaben mit den Einnahmen nicht mehr deckten. Der Verein wurde heimatlos und wanderte von einem Gelände zum anderen. Es fand ein Fischerfest auf dem Gelände der Karmelitenbrauerei statt, dies lag jedoch entschieden zu abseits und der Besuch war noch geringer. Der Vorsitzende bemühte sich um ein neues Gelände und wurde beim Motorsportclub Straubing, der an der Donau das idyllisch gelegene alte Gelände des Ruderclubs in Besitz hatte, fündig. Nun konnte ein Fischerfest wieder direkt an der Donau stattfinden und es kamen auch wieder mehr Leute. Nachdem aber bekannt wurde, dass dieses Gelände dem Hochwasserschutz zum Opfer fallen würde, musste man sich erneut nach einer anderen Bleibe umsehen. Vor diesem Hintergrund reifte in der Vorstandschaft der Entschluss, ein eigenes Vereinsheim zu bauen.

Doch zunächst noch einige andere wichtige Ereignisse der letzten 25 Jahre:
- In der Donau wurde unter der Schirmherrschaft und der Förderung des damaligen Umweltministers Alfred Dick der Huchen wieder eingebürgert und seitdem vom Verein stetig nachbesetzt.
- Im Eigentumsgewässer" Irlinger See" wurde eine Flachwasserzone als Laichzone geschaffen und für die Jugendgruppe ein Zeltplatz errichtet, auf dem unsere ausgesprochen aktive Jugendgruppe in den vergangenen Jahren wunderschöne Feste und Zeltlager durchführt.
Außerdem beteiligte sich der Verein alljährlich an der Fischereiausstellung heim Gäubodenvolksfest und sogar zweimal beim Frühlingsfest.
- 1989 richtete der Fischereiverein eine Dauerausstellung ein, die während der gesamten Dauer der Landesgartenschau in Straubing aufrecht erhalten wurde.
- Im Jahre 1991 führte der Verein in der Sparkasse eine Ausstellung unter dem Titel "Angelfischerei im Wandel der Zeit" durch. Hier wurde die Fischerei von der Urzeit bis zur Neuzeit gezeigt.
- Gesellschaftlich entwickelte sich unser traditioneller Fischerball zum Highlight in der Veranstaltungsszene der Stadt Straubing: Zu Spitzenzeiten hatte der Verein über 2000 Ballbesucher zu Gast. Im Januar 2002 fand vorerst der letzte Fischerball statt, da dieser aus steuertechnischen Gründen vom Verein nicht mehr durchgeführt werden kann.
- Ein weiterer gesellschaftlicher Höhepunkt ist in jedem Jahr der Auszug des Vereins zum Gäubodenvolks fest: Hier richtet der Verein ein wunderschönes Pferdegespann her, mit Zille auf der Ladefläche. Die Fischer mit ihren Angelruten darin verteilen Süßigkeiten an die Besucher. Hier stellt sich der Verein nach außen der Bevölkerung positiv dar.
- Außerdem wird vom Bezirksfischereiverein Straubing jedes Jahr ein Vorbereitungskurs für die Fischerprüfung abgehalten. Hierbei werden den Kursteilnehmern die nötigen fischereilichen und rechtlichen Grundbegriffe beigebracht. Im Rahmen dieses Kurses besuchen die Kursteilnehmer auch das Danubium im Straubinger Tierpark, das vom Verein mit Fischen bzw. mit Schautafeln versorgt wird. Den Zoobesuchern werden hier umfassende Informationen über die heimische Fauna und Flora im Donaugebiet vermittelt.

Der Verein hatte aber auch in den letzten 25 Jahren andere Probleme zu bewältigen. Nicht nur der Donauausbau erforderte ein großes Engagement, sondern auch die Kormoranproblematik forderte die Vorstandschaft des Vereins. Nachdem der Kormoran immer mehr überhand nahm - es waren bis zu 1200 im Winterhalbjahr im Raum Straubing - mussten bei der Regierung und den entsprechenden Stellen Eingaben gemacht werden, um den Vogel kurz zu halten. Leider ist dies bisher nicht im gewünschten Maß gelungen und der Verein wird noch lange an diesem Problem zu arbeiten haben. Der Kormoran ist ein großer Schädling für die Fischerei, denn 1200 Kormorane fressen am Tag ca. 600 Kilogramm Fisch. Eine große Zahl von Fischen verendet qualvoll, wenn sie durch die Kormorane angeschlagen und nicht gefressen werden. Dies machte sich nach zwei bis dreiJahren Anwesenheit des Kormorans natürlich auch in unserer Fangstatistik bemerkbar:
So musste festgestellt werden, dass ganze Jahrgänge von Fischen 
fehlten. Von Seiten der Fischerei hilft nur ein ständiges Vergrämen und ein Abschuss dieses gefräßigen Vogels, denn der Kormoran kann bei uns nicht als heimisch bezeichnet werden. Ein weiteres Anliegen des Vereins bzw. eine Pflichtaufgabe ist die Hege und Pflege der Fischgewässer. Neben dem alljährlich hervorragenden Fischbesatz müssen die Gewässer auch gehegt und gepflegt werden. Hierzu wurde auch das entsprechende Material mit Booten, Außenbordmotoren, Netzen und Elektroaggregaten zum Elektrofischen angeschafft. Bei der Vielzahl der Gewässer war dies unbedingt erforderlich.
Der Verein beteiligte sich auch am Projekt zur Erhaltung des Perlmuschelbestandes am Vereinsgewässer >Wolfertsrieder Bach<, der in unser Pachtgewässer >Obere Teisnach< mündet. Ebenso legte die Vorstandschaft großen Wert darauf, auch andere Arten wieder einzubürgern, so z. B. den Edelkrebs. Die Gewässer sind in einem hervorragendem Zustand. Sie sind teilweise, wo es erforderlich war, renaturiert und mit einem guten Fischbesatz versehen.

Der Fischereiverein unterhält auch Freundschaften zu den Patenstädten der Stadt Straubing, insbesondere zu unseren Fischerfreunden aus W els und seit dem Jahr 2000 auch mit unseren Fischerkameraden aus Tuam, der Straubinger Partnerstadt in Irland. Diese Freundschaften werden laufend ausgebaut und es werden Kontakte zu den Fischern vermittelt.

Ein absoluter Höhepunkt war der Bau unseres Vereinsheimes. Wie bereits geschildert war der Verein ohne Heimat. Es waren verschiedene Objekte in Straubing angemietet, in denen unsere Gerätschaften untergebracht waren, allerdings fehlte immer der zentrale Mittelpunkt - nicht nur zur Lagerung des Gerätes sondern auch für die Geselligkeit und die Kameradschaft des Vereins. Die Vorstandschaft entschloss sich, ein Vereinsheim zu bauen. Es wurde ein Finanzierungsplan erstellt und die Vorstandschaft kam zu der Erkenntnis, dass dies realisiert und verantwortbar sei. Es ergab sich die günstige Gelegenheit, ein Grundstück auf der Gstüttinsel in unmittelbarer Nachbarschaft zum Motorsportclub zu erwerben. Bereits 1997 konnte Richtfest gefeiert werden. Es wurde eine Fischerhütte in Holzbauweise errichtet, in der nicht nur die gesamten Geräte gelagert sondern auch der Verein seine gesellschaftlichen Feiern durchführen kann. Erstmals wurde ein vereinsinternes Anfischen gehalten und das traditionelle Königsfischen und das Abfischen wurden in eigener Regie abgewickelt - der Verein hat hier alle Bewirtungsmöglichkeiten. Das Fischerfest wurde durch den Bau des Vereinsheimes wieder eine feste Größe in Straubing und nicht nur die Straubinger kommen am letzten Wochenende im Juli an den Wundermühlweg, um sich bei uns heimischen Fisch am "Steckerl", als Fischpflanzerl, geräucherte Forelle oder gebackenen Zander schmecken zu lassen. Der Bau dieses Vereinsheimes war also dringend erforderlich, um einem Verein unserer Größe mit damals 1562 Mitgliedern einen gesellschaftlichen Mittelpunkt zu geben.

In den letzten 25 Jahren hat sich vieles getan. Das bis hierher Aufgeführte ist nur ein kleiner Auszug daraus, was den 1. Vorsitzenden Peter Mittermeier und die Vorstandschaft im Sinne der Fischerei nahezu täglich und manchmal fast rund um die Uhr beschäftigt. Unser oberstes Ziel ist dabei immer noch, allen Straubinger Anglern optimale Bedingungen an schönen und möglichst naturbelassenen Gewässern bieten zu können. Die Fischerei muss weiterhin jedermann zugänglich bleiben.

Hoffen wir, dass wir auch in Zukunft unserem gemeinsamen Hobby in diesem Sinne nachgehen können, dass dabei aber auch die Kameradschaft nicht zu kurz kommt!

Chronik: Max Houdek (1976 bis 2002)
                       Ergänzungen: Peter Mittermeier
                 Thomas Houdek (seit 2003)




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